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Dreschhaus-Kalkofen-Schmittenhöhe

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Bramsche / Kalkriese

Zum alten Dreschhaus - historischer Kalkbrennofen - Schmittenhöhe

 

Start
Wanderparkplatz Landgasthof-Zum Alten Dreschhaus
Zum Dreschhaus 4
49565 Bramsche/Kalkriese


Charakter/Anspruch
XX
Y

ca 8 km
172 Höhenmeter

überwiegend durch Wald

Besonderheiten

Campingplatz Waldwinkel
Historischer Kalkofen
ehemaliger Jura-Kalksteinbruch
Kalkrieser Mühlenbach einschließlich Quellgebiet
"Schmittenhöhe" mit Gipfelkreuz und -buch

Einkehrmöglichkeit
Landgasthof Zum alten Dreschhaus

April 2016
 
Die Sonne scheint, sie scheint ...  uns heute nach Kalkriese locken zu wollen. "Wieso denn dorthin? Das Osterleuchten ist doch schon längst vorbei!" flachst uns ein Bekannter an. Er verbindet Kalkriese vor allem mit den zahlreichen großen Events im Museumspark.
Hier wurden bei Ausgrabungen auf dem sogenannten Oberesch seit 1990 zahlreiche Hinweise auf Kämpfe zwischen Römern und Germanen entdeckt. Dieses führte zu der Annahme, endlich die Stelle gefunden zu haben, an der im Jahre 9 n.Chr. die Varusschlacht stattgefunden hat. Grund genug, hier den Park mit dem archäologischen Museum anzulegen.
Aber selbst wenn bisher nicht mit letzter Sicherheit der Nachweis erbracht werden konnte, wo genau die Varusschlacht tatsächlich stattfand, erweist sich der Museumpark Kalkriese in jedem Fall als ein überaus interessanter und beeindruckender Raum für eigene Reflektionen über einen längst vergangenen Krieg, aber auch über das Kriegsgeschehen heute. Gibt es einen Weg zum Frieden ohne Krieg? Im Großen, im Kleinen? Wie fühlt sich Krieg an, wie Frieden? Welche Rolle spielt in diesem Geschehen jeder einzelne?
Frieden zu erhalten, zu schaffen, zu finden, es gibt wohl kaum eine größere gesellschaftliche Herausforderung.
Lasst Euch überraschen, was Euch im Pavillon des Sehens, des Hörens und des Fragens erwartet. Schreitet auf dem "Weg der Römer" durch den Museumspark, besucht das Museum.
Übrigens, Hunde dürfen zwar nicht ins Museum, aber an der Leine mit auf das Außengelände.
Ausführliche Informationen zur Varusschlacht im Osnabrücker Land und rund um das Museum und den Park Kalkriese gibt es auf den Seiten: http://www.kalkriese-varusschlacht.de
 
Badesee am Campingplatz Waldwinkel
 
Ziel unserer Wanderung heute ist aber nicht der Museumspark. Sondern wir möchten uns einfach im Wiehengebirge ein wenig die Füße vertreten und schauen, was uns auf unserer geplanten Runde so alles erwartet.
Start und Ziel zugleich ist der TerraVita-Wanderparkplatz Zum alten Dreschhaus. Und wohnten wir nicht bereits in Osnabrück und damit ganz in der Nähe - auf dem Campingplatz Waldwinkel könnte es uns für einen Urlaub gut gefallen. Der kleine Badesee fällt sofort ins Auge. Er wird vom Kalkrieser Mühlenbach durchflossen. Dieser Bach wird uns später ein Stück des Weges entgegen fließen und zum Ende der Wanderung geht es auch am Quellgebiet vorbei.
 
Frühlingsblüher bei einem Kalkbrennofen bei Kalkriese
 
Wir folgen anfangs den blauroten Markierungen des DiVaWalks (in generell südlicher Richtung), gehen dabei in großzügiger Entfernung halb um den Campingplatz und verlassen schon bald den beschilderten Wanderweg, indem wir rechtwinklig nach rechts in den hangabwärts führenden Weg abbiegen. Dieser war zum Zeitpunkt unserer Wanderung ein wenig mit Brombeerranken durchsetzt, so dass wir nicht wissen, ob er im Sommer auch gut begehbar ist. Am Waldrand unten angekommen, biegen wir links ab und folgen dem grasbewachsenen Waldrandweg ein kurzes Stück, dann schwenken wir mit dem Weg nach rechts (bei Nässe recht matschig) und befinden uns auch schon wieder im Wald, in dem uns viele Frühblüher begrüßen und ein historischer Kalkbrennofen, den wir schon einmal auf einer Winterwanderung bestaunt hatten.
 
Detailaufnahmen vom Kalkbrennofen bei Kalkriese
 
Er ist zwar nicht mehr so gut erhalten wie der nur ca 3 km Luftlinie entfernte historische Kalkbrennofen Hollewede an der Engterstraße, aber selbst noch im Verfall ist er uns ein bedeutsamer Zeitzeuge. Ein Anruf beim Denkmalschutz ergab, dass auch dieser Kalkofen inzwischen unter Denkmalschutz gestellt wurde. Wir hoffen nun, dass dann auch die nötigen Gelder zur Verfügung stehen, um zumindest den Bestand des Ofens zu sichern. Er gehört zum Hof Bruning und wurde nach dem 2. Weltkrieg noch einmal bis 1955/56 wieder in Betrieb genommen. Die Kalksteine wurden im hofeigenen Steinbruch gebrochen und mit Hilfe von Loren zum Kalkbrennofen geschafft. 2 Pferdefuhrwerke täglich konnten so mit dem hergestellten Branntkalk beladen werden, um dieses Baumaterial nach Osnabrück zu transportieren und dort an private Bauherren zu verkaufen. Nur unter Einsatz all dieser Ressourcen war der Wiederaufbau nach dem Krieg möglich.
Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Herrn E. Bruning für diese Informationen bedanken und denke, dass so nicht nur der Ort der Varusschlacht ein Mahnmal für den Frieden ist, sondern dass auch dieser durch Wasser und Frost geschädigte Kalkofen durch seine Geschichte daran erinnert, wie brüchig auch der Frieden sein kann und wie schwer ein Wiederaufbau.
 
Ehemaliger Kalksteinbruch bei Kalkriese
 
Es geht weiter. Wir treffen auf die Ruller Straße, halten uns rechts und biegen links in den nächsten Forstwirtschaftsweg ein. Dieser führt an einer langen Felswand vorbei. Hat sich dahinter etwa der Kalkriese versteckt? Oder stimmen die Informationen im Internet, dass in der Geologie ein größerer Fels anstehenden Kalkgesteins "Kalkriese" genannt wird, dann gehörte diese Felsformation selber zu einem "Kalkriesen"?
Wie dem auch sei, einen Riesen aus Fleisch und Blut konnten wir nicht entdecken, dafür aber Kalksteine.

Das Kalkgestein stammt aus der Jura-Zeit. Vor ca. 150 Millionen Jahren sammelte sich der Kalk als Schlamm am Meeresgrund. Die darauf folgenden Schichten pressten ihn durch ihr Gewicht zu festem Gestein. Bei der Entstehung des Wiehengebirges wurden auch hier im Bereich des Kalkrieser Berges die Schichten aufgewölbt. An frischen Bruchstellen zeigt sich der Kalkstein grau, verwittert er, nimmt er eine braune Färbung an.
Deutlich sind hier auch die senkrechten Spalten zu sehen. Vor Jahrtausenden waren diese noch schmale Risse, Regenwasser hat über diese lange Zeit den Kalk langsam gelöst, so dass die Risse immer größer wurden, Spalten entstanden.
(Quelle: Begleitheft zum Der TERRA.trail 2: Zwischen Mittelgebirge und Flachland)
Wir folgen dem Verlauf des Weges bis zum Hof Tüting/Kallmeier und biegen dort rechts ab in den Weg "Am Berge". Neben uns plätschert der Kalkrieser Mühlenbach, über uns zwischern die Vögel in den Alleeebäumen ihr Frühlingslied, unser Blick schweift durch die Bäume hindurch auf die Bachaue.

Erst später erfahren wir um die Kontroversen um die Trinkwasserförderung in diesem Gebiet. Was sind die Gründe dafür, dass die Flüsse/Bäche in der Umgebung immer weniger Wasser führen? Hier ein Link auf die Stellungnahme der Stadt Bramsche zum Wasserwerk Engter (einschließlich Gutachten) vom 5.11.2015. http://ris.stadt-bramsche.de/bi/vo0050.php?__kvonr=3277
In der Presse (NOZ) und auch sonst gibt es etliche Artikel zu diesem Thema.


Wir queren das nächste Sträßchen und folgen dem Wirtschaftsweg in den Wald hinein. Auf der linken Seite liegt "Stucky's Ranch". Wir wandern weiter auf dem Wirtschaftweg, ca 800 Meter später trifft der DiVaWalk aus nördlicher Richtung auf diesen Forstweg. Er leitet uns ab jetzt an der Schmittenhöhe vorbei bis zum alten Dreschhaus, also zum Ausgangspunkt dieser Wanderung zurück.
 
Schmittenhöhe mit Gipfelkreuz - Kalkrieser Berg
 
Natürlich darf die Gipfelbesteigung des Kalkrieser Berges, der wortwörtliche Höhepunkt dieser Wanderung, nicht fehlen. Im Kasten am Gipfelkreuz liegt so auch nicht nur das Gipfelbuch, sondern auch ein Infoblatt zu diesem Gipfel, dessen Text wir hier an dieser Stelle wiedergeben möchten.
 
Woher kommt der Name "Schmittenhöhe"?
"Schmittenhöhe?! - nanu, ist das versehentlich aus dem Fach Alpenverein hierher gerutscht?"
Nein, doch nicht. Zwar der Baedeker, Andreas Atlas, Meyers Lexikon, Brockhaus sie alle kennen nur die Schmittenhöhe, die über Zell am See gebietet. Aber sie hat eine weiniger hochgeborene Schwester in Kalkriese. Bitte ja, so und nicht anders schreibt sich das Nest. Obwohl nämlich von unsern Zeitgenossen aus anderen Breiten manches Mal Kalbwiese oder Kalkriede auf Briefen dafür eingesetzt wird.
"Kalkrieser Berg" heißt auf den Karten die bei dem Gute Barenaue weit nach Norden vorspringende Verlagerung vor der Hauptkette des Wiehengebirges, und als ihre höchste Erhebung findet sich eingezeichnet: "Schmittenhöhe - 157m".
Untersuchen wir einmal, wie es um ihren Taufschein steht, so ergibt sich folgendes:
Eine besondere Benennung ist dem Volksmunde nicht geläufig. Allenfalls "im großen Berge" bekäme der Fragende etwa zur Antwort. Die Flurkarte von 1872 bezeichnet das in Rede stehende Gelände als "Hohe Kalkriese"; das Femininum nicht auffassend spricht der Vermessungsbeamte dabei z.B. ferner vom Weg "am" hohen Kalkriese, was richtiger "an der" hohen Kalkriese zu lauten hätte. Plattdeutsche Auskunft sagt nämlich nie, man wohne "in" Kalkriese, sondern stets "uppe Kalkreese". Ganz im Einklang hiermit gibt Jellinghaus die wohl endgültige Deutung des Namens Kalkresse = die Kalkröste.

Wie ist nun jener Berggipfel zum Namen "Schmittenhöhe" gekommen?
Als in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts einmal der Besitzer des Gutes Barenaue das Bad Kissingen gebrauchen musste, wurde ihm vom Arzt als Nachkur ausgiebige körperliche Arbeit angeraten. Reichliche Bewegung verschaffte ihm nun ohnehin jahraus jahrein die Überwachung mancherlei Arbeiten in seinen ausgedehnten Forsten. Wild war's auf den wilden Höhen im Kalkrieser Berge gewesen, als das Gut dort aus der Markenteilung seine ansehnlich große Abfindung zugewiesen erhielt. Aus Abtrieb und Aufforstung erstand dem Berge dann das neue Gewand, in welchem er jetzt Auge und Herz des Wanderers, wie des Forstwirts erfreut.
Die heutige "Schmittenhöhe", damals noch freien Ausblick gewährend, schien dem Erblanddrosten Hugo v. Bar ein geeigneter Platz, dem Rat seines Arztes nachzuleben. Architektonisch - mathematisch ist der Zuschnitt des Planes, wie er ihn sich für seine Arbeit erdacht hat. Erdmassen beginnt er auszugraben, die er in 20m Entfernung wieder zu einem Haufen auftürmt. Das Gesundheitsfördernde der Arbeit verspürt er bald. Die folgenden Jahre schon kann sie ihm als Ersatz für Kissingen die Reise dorthin ersparen. Ist doch sogar Steinbrucharbeit von dem einsam sich mühenden Kärrner zu vollbringen. Viele Jahre sind ins Land gegangen, als er das Werk vollendet nennen kann.
Der Trichter der Grube, wie er sie auswarf, hat 10m Durchmesser und 5m Tiefe erreicht. Hineingeschnitten in die Böschung steigt der schmale Pfad für die Schiebkarre in Schneckenwindungen vom Grunde empor. Ähnlich windet er sich, durch Steinpackung befestigt, zur Spitze des Erdkegels hinauf, der fast die gleichen Maße hält. Das eine stellt, körperlich gesehen, die stereometrische Umkehrung des anderen dar, als noch nicht Abbröckelung und Einsturz die Form zerstört hat.
Mittlerweise ist das Jahr 1895 herangekommen; es sieht die Beamten der kartographischen Landesaufnahme mit ihrem Messtisch das Gelände durchstreifen. Auf Barenaue ist der leitende Offizier einquartiert. Einmal dreht sich bei der Tafel auch die Unterhaltung um jene Höhe. Wie Grube und Kegel entstanden seien, muss der Gastgeber erzählen.
Der Offizier fragt: "Sagen Sie bitte, Herr Erblanddrost, hat der Berg einen besonderen Namen?" Antwort: "Nein, das nicht. Aber, als ich dort arbeitete, hat mein Töchterchen Mia mir immer das Frühstück heraufgebracht und auf der Höhe mir manche Stunde Gesellschaft geleistet. Sie hieß bei uns mit Kosenamen "Schmidt" und daher haben wir in meiner Familie immer den Berg die "Schmittenhöhe" genannt!"
Laune des Offiziers hat damals die Sache "amtlich" werden lassen, indem er den Namen in die Karte eintrug. Bei dem
Taufakt selber mag den Barenauer Erblanddrosten (+ 1918) die Erinnerung an den Berggipfel bei Zell am See geleitet haben. Aber in einem Punkte ist inzwischen der Vergleich hinkend geworden, indem nämlich die Kalkrieser Schmittenhöhe einen Rundblick nicht mehr bietet.

W. Fisse-Niewedde, Kalkriese
Quelle: Osnabrück und seine Berge - Sept. 1931
hrsg. Verkehrs- und Verschönerungsverein Osnabrück
 
Schattenspiele in der Schutzhütte zur Schmittenhöhe - Quellgebiet des Kalkrieser Mühlenbachs
 
Die Schutzhütte zur Schmittenhöhe müssen wir bei dem herrlichen Sonnenschein heute nicht aufsuchen, aber sie verlockt zu einer kurzen Schattenspielerei. Und nachdem wir am Quellbereich des Kalkrieser Baches vorbei sind, ist auch schon der Spielplatz am Dreschhaus und Campingplatz zu sehen, Einkehrmöglichkeit inclusive.

 


 
 
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