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Osnabrück/Stadt

Kloster Gertrudenberg - Gertrudenkirche - Äbtissinnenhaus
 
Das Gertrudenberger Kloster und die Gertrudenkirche - der heiligen St. Gertrud von Nivelles geweiht - sind Namenspaten des Gertrudenberges.
Den fast 100 m hohen sagenumwobenen geschichtsträchtigen Berg gibt es natürlich schon länger. Vor ca 70 Millionen Jahren wurde u.a. der Muschelkalk (entstanden im Trias vor ca 240 Millionen Jahren) im jetzigen Osnabrücker Gebiet hochgefaltet.
Zu Füßen des Gertrudenberges fließt die Hase. Bereits zu früheren Zeiten kreuzten sich hier wichtige Wege über eine Hasefurt. Nicht nur damals, auch heute noch, hat man vom Berg aus die Altstadt von Osnabrück gut im Blick.
Irgendwann, direkt in der Zeit nach Gründung der Stadt Osnabrück durch Karl den Großen 780 n.Chr., wurde auf dem Gertrudenberg eine karolingische Michaeliskapelle errichtet, was vermuten lässt, das sich an dieser Stelle zuvor ein vorchristliches sächsisches Heiligtum befand. Mauerreste im heutigen Turm der Gertrudenkirche und zugemauerte rundbogige Fenster in der Südwand der Kirche sollen noch von der Michaeliskapelle stammen.
 
Kloster Gertrudenberg in Osnabrück, Gertrudenkirche, Äbtissinnenhaus
 

Der Versuch Bischof Benno II, an dieser Stelle im 11. Jahrhundert erstmals ein Kloster zu gründen, scheiterte. Die lebenslustigen Klosterfrauen von Herzebrock, die es mit den Ordensregeln nicht so genau nahmen, ließen sich weder durch Versprechungen noch unter Drohungen auf den Gertrudenberg umsiedeln. So wurde der Klosterbau unterbrochen, obwohl die Gertrudenkirche schon auf dem Fundament der Michaeliskapelle erbaut war. Erst unter Bischof Phillipp von Katzenellenbogen wurde 1142 nicht nur die Gertrudenkirche vergrößert, sondern auch der Klosterbau vollendet. Er führte auch die strengen benediktinischen Ordensregeln in dem kurz zuvor gegründeten Kloster ein.
Aber auch von dieser etwas größeren Kirche sind nur noch Fundamentreste erhalten, auf denen die Gertrudenkirche in ihrer heutigen Form 1230 - 1235 errichtet wurde. Auf Grund der strategischen Lage wurde das Kloster in den Wirren der Zeit häufig umkämpft. Auch zwischen Stadt und Kloster kam es oft zu Konflikten. Von vielen Brandlegungen auf dem Klostergelände wird berichtet...
1803 schließlich werden Kloster und Kirche säkularisiert und noch einige Jahrzehnte als Zeughaus und Garnisonslazarett genutzt.

Die Französische Revolution führte auch zu einem beginnenden geistigen Umbruch bezüglich des Umgangs mit psychisch kranken Menschen. Es gab erste wissenschaftliche Ansätze zur Behandlung. Statt Dorenkasten, Irrenzelle, Kerker und Zuchthaus wurde 1861 beschlossen, im Königreich Hannover zwei "Irrenanstalten" zu bauen, eine in Göttingen, die andere in Osnabrück.
1862 wurde dazu das Gelände zwischen Gertrudenkloster und der Straße nach Icker erworben. DIE Gelegenheit für die Klosterkammer! Zwar interessierte sich auch der Bischof von Osnabrück für die Klostergebäude, um dort ein Lehrerseminar zu gründen, aber das Innenministerium zahlte einfach zu gut.
Seither gehört das ehemalige Klostergelände Gertrudenberg mit seinen Gebäuden zum Gelände des Krankenhauses.

Weitere Infos:

- Kloster Gertrudenberg (Wikipedia)

- Benediktinerinnen-Kloster Gertrudenberg (Klosterreise/Osnabrücker Land, Seite 20/21)

Literatur:

- Kloster Gertrudenberg zu Osnabrück, Schnell, Kunstführer Nr. 1389

 
Gertrudenkirche Osnabrück Friedenstaube von Frauke Wehberg
 

Klosterstraße, Gertrudenstraße, Nonnenpfad, Gertrudenring, diese Straßen weisen noch heute zum ehemaligen Kloster. Der schönste Weg aus der Altstadt zur Gertrudenkirche aber ist für mich der über die Terrasse. Eine Allee führt direkt auf die Klostermauer zu - mit den dahinter liegenden Gebäuden. Die Steine der Mauer stammen aus dem unterirdischen Kalksteinbruch, den Gertrudenberger Höhlen. Ein Durchgang in der Mauer führt direkt aufs Klostergelände.
Von hier aus über die Osnabrücker Altstadt mit Dom und Marienkirche zu blicken, ist immer wieder ein Vergnügen.

Am Treppenaufgang zur Kirche empfängt uns seit 1986 die von der Künstlerin Frauke Wehberg gestaltete Friedenstaube.
Seitdem die Kirche zum Krankenhaus gehört, wird sie als Simultankirche genutzt, d.h. es finden hier sowohl katholische wie evangelische Gottesdienste statt, zeitweise auch Konzerte. Nicht nur die Patienten sind dazu eingeladen, sondern auch alle anderen Interessierten. Es herrscht schon eine besondere Atmosphäre in dem mittelalterlichen sparsam möblierten Kirchenraum, der farblich auf den Hochaltar abgestimmt ist. Bei diesem künstlerisch qualitätsvollen Altar handelt es sich um den einzigen erhalten gebliebenen barocken Hochaltar in Osnabrück. Erst 1979 kam der Altar, der bei der Säkularisierung verkauft worden war, auf abenteuerlichen Wegen wieder zurück in seine Heimat. Die zu diesem Zeitpunkt bestehende Übermalung mit Weiß und Ölgold wurde entfernt und der Altar gemäß seiner ursprünglichen Farbigkeit (Berliner Blau und Bleiweiß) aufwendig restauriert. Außerhalb der Gottesdienste (jeden Sonntag um 8:30 Uhr (kath) und 9:15 Uhr (ev)), der Veranstaltungen und der öffentlichen Führungen ist die Kirche geschlossen.

Es wird davon ausgegangen, dass der 1898 in Osnabrück geborene Schriftsteller Erich Maria Remarque hier in der Gertrudenkirche an der Orgel gespielt hat. Jedenfalls hat er dies in seinem Roman "Der schwarze Obelisk" verarbeitet. Hier nachzulesen.
Die Beschreibungen der Heil- und Pflegeanstalt im Roman sollen allerdings in Hinsicht Psychiatrie auf ein eher oberflächlicheres Wissen hindeuten. (Quelle: Eva Berger, Die Würde des Menschen ist unantastbar)

Eine Gedenktafel vor der Kirche erinnert an den Geheimen Sanitätsrat Dr. Georg Meyer, der nach mehr als 54 Jahren Dienstzeit, davon 30 Jahre als ärztlicher Direktor des Osnabrücker Hauses, am 1. November 1899 in den Ruhestand verabschiedet wurde.
Die Psychatriegeschichte dieser Zeit bis heute in Osnabrück ist nachzulesen im Buch von Eva Berger: "Die Würde des Menschen ist unantastbar".

 
Gertrudenkirche Osnabrück Schäferbrunnen von Hans Gerd Ruwe
 
Seit 1983 steht er hier - auf dem Platz vor der Gertrudenkirche, der "Schäfer an der Tränke" von Hans Gerd Ruwe (Osnabrücker Steinmetz und Bildhauer, 1926 - 1995).

Hier möchte ich auch ein Gedicht von Arnhild Lauvenq plazieren, als Zeichen dafür, dass die Geschichte der Psychiatrie noch lange nicht zu Ende ist und als Zeichen dafür, dass nicht jede diagnostizierte Unheilbarkeit unheilbar bleiben muss.
 
Gedicht: Morgen bin ich ein Löwe von Arnhild Lauvenq
 
Arnhild Lauvenq hat dieses Gedicht in ihrem Buch "Morgen bin ich ein Löwe: Wie ich die Schizophrenie besiegte" veröffentlicht.
Fast 10 Jahre ihres Lebens verbrachte sie in der Psychiatrie. Trotz der Diagnose "unheilbare" Schizophrenie überwand sie ihre Krankheit und arbeitet heute als klinische Psychologin, gefragte Referentin und Autorin.
 
Kloster Gertrudenberg Osnabrück Vita Dominae von Elisabeth Lumme
 

Direkt an der Klostermauer - seitlich der Gertrudenkirche und des Äbtissinnenhauses - wurde im Jahre 2000 im Rahmen des Projektes "Kloster-Kunst-Landschaft" erstmals das Wasserspiel "Vita dominae" (das Leben der Klosterfrau) von Elisabeth Lumme installiert.
Seit 2004 wird es hier auf Dauer präsentiert, ist allerdings nur in den wärmeren Monaten in Betrieb.
Das Wasserbecken bildet proportional den Kirchengrundriss nach. Im Becken schaukeln Porzellanschüsseln vor sich hin, die die Ordensschwestern symbolisieren sollen. Die Schüsseln werden sowohl vom Wind wie über eine künstlich erzeugte Strömung angeschoben.
Es bilden sich dabei kleine oder auch größere Ansammlungen oder die Schüsseln machen sich wohlgeordnet in einer Reihe auf ihre Runde, eingeengt durch kaum sichtbare Seile im Becken und ein aufliegendes Gitter. Stoßen die Schüsseln aneinander, erklingt ein glockenähnlicher Ton.
Ein gelungenes humorvolles Sinnbild für den streng geregelten Ordensalltag, das zum Nachdenken anregen kann. Da ist es selbst stimmig, wenn längst nicht mehr alle (anfangs 28) Schüsseln mit dem Strom schwimmen. Aber wer weiß, vielleicht treten ja wieder Neue in das Klosterbecken ein und machen sich mit auf die Runde.

Gleich neben dem Wasserspiel vor der Klostermauer steht ein Gedenkstein für verstorbene Drogenabhängige, die Namen sind auf schmalen weißen Bändern festgehalten. Am 21. Juli, dem Nationalen Gedenktag für Drogentote (PDF-Datei) lud hier zuletzt 2011 das Drogenhilfenetzwerk Osnabrück zum Gedenkgottesdienst in der Gertrudenkirche mit anschließender Andacht am Gedenkstein und Konzerten im Café Kommunitas ein. Aber auch zu anderen Zeiten findet man immer wieder Kerzen am Gedenkstein.

 
Äbtissinnenhaus Kloster Gertrudenberg Lilie von Frauke Wehberg
 

Im 30-jährigen Krieg brannte das Kloster ab. Die Stadt selbst steckte es in Brand - angeblich wurden auf dem Gertrudenberg Briefe gefunden, die auf einen Verrat durch die Katholiken hindeuteten. 10 Tage dauerte der Brand und das Kloster wurde ausgiebig geplündert.
Bis auf die Kirche, die wieder hergestellt wurde, wurden alle älteren Klostergebäude vernichtet.

Die letzten schweren Schäden wurden im 2. Weltkrieg durch Bomben verursacht. Ab 1949 wurde der Wiederaufbau begonnen. Dabei versuchte man sich an dem Originalzustand der Kirche im 13. Jahrhundert zu orientieren.

Heute ist vom ehemaligen Gertrudenkloster außer der Gertrudenkirche nur noch das 1767 erbaute Äbtissinnenhaus, der 1765 umgebaute Westflügel, der Kreuzgang aus dem 12. Jahrhundert, das Torhaus des 18. Jahrhunderts (im 19. Jahrhundert zum Wohnhaus umgebaut) und der Klosterkeller erhalten.
Das Äbtissinnenhaus wurde 1977/78 umgebaut und restauriert.

Seit 1978 konnte man dort im öffentlichen Gertrudenberg Café einkehren. Träger war der Osnabrücker Verein zur Hilfe für seelisch Behinderte e.V..
Leider ist das inzwischen Geschichte, wie heute (16.02.2012) am "Runden Tisch Dodesheide/Sonnenhügel" zu erfahren war. Das Café wurde Ende 2011 wegen nicht ausreichender Wirtschaftlichkeit geschlossen.

Die Lilienskulptur (1986) vor dem Äbtissinnenhaus ist gleich der Friedenstaube an der Treppe zur Kirche ebenfalls ein Werk der Künstlerin Frauke Wehberg.

 
Kloster Gertrudenberg Osnabrück Denkmal für die Opfer der
 

Vor dem Gertrudenberg Café steht seit dem 27.01.2005 ein Denkmal für die Opfer der NS-"Euthanasie".

Die Initiative für dieses Denkmal ging von der Osnabrücker Psychiatrie-Erfahrenen-Gruppe aus. Das Denkmal besteht aus 2 gleich großen Säulen, gestaltet von dem Künstler Werner Kavermann. Winzig erscheint die dicht zusammenstehende Menschengruppe, steht man vor den Säulen und betrachtet sie. Vollkommen klein und schutzlos müssen sie sich vorgekommen sein angesichts der Übermacht der herrschenden Ideologie. Auf der anderen Fläche ist ein Text von Bernhard Enneking auf einer Bronzetafel zu lesen:

Ich bin ausgegrenzt,
stigmatisiert,
zwangssterilisiert,
ermordet und
vergessen.

Zum Gedenken an die psychisch kranken Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Osnabrück


Auch mehrere STOLPERSTEINE in Osnabrück erinnern an Opfer aus dieser Gruppe.
Mögen die Menschen heute und in Zukunft menschenwürdiger handeln.

 


 
 
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